Messverfahren

Der transepidermale Wasserverlust als Maß der Hautbarriere

Kein anderer Parameter beschreibt den Zustand der Hautbarriere so direkt. Zugleich ist kaum eine Messung so anfällig für methodische Fehler.

Was gemessen wird

Die Haut gibt permanent Wasser an die Umgebung ab, ohne dass dies sichtbar wäre. Dieser Vorgang ist unabhängig von der Schweißdrüsentätigkeit und wird als transepidermaler Wasserverlust bezeichnet, kurz TEWL. Gemessen wird die Menge Wasser, die pro Fläche und Zeit durch die Hornschicht nach außen diffundiert, angegeben in Gramm pro Quadratmeter und Stunde.

Die Aussage dahinter ist einfach: Je dichter die Hautbarriere, desto weniger Wasser tritt aus. Ein niedriger Wert spricht für eine intakte Barriere, ein erhöhter Wert für eine gestörte.

Warum der Parameter so aussagekräftig ist

Die Barrierefunktion ist die Kernaufgabe der Hornschicht. Sie hält Wasser im Körper und Fremdstoffe draußen. Ist sie gestört, folgt daraus beides: Die Haut trocknet aus, und Reizstoffe dringen leichter ein. Genau dieser Zusammenhang macht TEWL zu einem sensiblen Frühindikator, oft bevor eine Veränderung sichtbar wird.

Erhöhte Werte finden sich typischerweise bei mechanisch oder chemisch beanspruchter Haut, nach tensidischer Reinigung, bei entzündlichen Hauterkrankungen und an Arealen mit ohnehin dünner Hornschicht.

Zwei Fragestellungen

Belastet das Produkt die Barriere?

Hier wird geprüft, ob die Anwendung den TEWL erhöht. Das ist besonders bei Reinigungsprodukten und Tensidzubereitungen relevant, die die Hornschicht angreifen können.

Stellt das Produkt die Barriere wieder her?

Dazu wird die Barriere kontrolliert und reversibel gestört, üblicherweise durch wiederholtes Abziehen der Hornschicht mit Klebefilm oder durch ein standardisiertes Tensidmodell. Anschließend wird verfolgt, wie schnell sich der TEWL mit und ohne Produkt normalisiert. Die Regenerationskurve ist der eigentliche Beleg.

Fehlerquellen

Die Messung reagiert empfindlich auf Umgebung und Verhalten. Ohne Kontrolle dieser Faktoren entstehen Werte, die sich nicht vergleichen lassen.

  • Raumklima. Temperatur und relative Luftfeuchte müssen definiert und konstant sein. Bereits ein geöffnetes Fenster verändert das Ergebnis.
  • Luftbewegung. Zugluft und Bewegungen der messenden Person am Messkopf verfälschen den Wert.
  • Akklimatisierung. Probanden müssen vor der Messung ausreichend lange im Messraum ruhen. Wer eben noch die Treppe gestiegen ist, produziert erhöhte Werte.
  • Messareal. Der TEWL unterscheidet sich stark je nach Körperstelle. Folgemessungen müssen exakt am selben Areal erfolgen.
  • Andruck und Dauer. Der Messkopf wird ohne Druck aufgesetzt und der Wert erst nach Stabilisierung abgelesen.
  • Vorbehandlung. Pflegeprodukte am Messtag verändern den Wert und werden vorab ausgeschlossen.
Zur Einordnung

Absolutwerte sind zwischen Studien nur eingeschränkt vergleichbar, weil sie von Gerätetyp, Messprinzip und Bedingungen abhängen. Aussagekräftig ist die Veränderung innerhalb einer Studie gegenüber Ausgangswert und Kontrolle. Wer TEWL-Absolutwerte aus verschiedenen Quellen gegenüberstellt, vergleicht in der Regel nicht das, was er zu vergleichen meint.

Kombination mit weiteren Parametern

Für sich allein bildet TEWL nur einen Ausschnitt ab. In der Praxis wird der Parameter deshalb regelmäßig mit der Corneometrie kombiniert. Die eine Messung beschreibt die Dichtigkeit der Barriere, die andere den Wassergehalt der Hornschicht. Erst zusammen ergeben sie ein belastbares Bild vom Hautzustand.

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